Das Anreiten eines Pferdes

Einleitung


Die durchnittliche Lebenserwartung der Reitpferde in Deutschland liegt unter 10 Jahren. 


              "Aus Respekt vor dem Leben"

Quarterhorsestutfohlen der Absarokee Horse Farm


Einige der häufigen Ursachen für die geringe Lebenserwartung sind vorzeitig verschlissene Gliedmaßen hervorgerufen durch zu frühes Anreiten, geistiger und körperlicher Überforderung des Pferdes, falsches Reiten und ungenügender schlechter Aufbau der Rücken- und Bauchmuskulatur des Pferdes, eine 24 stündige Pferdehaltung in Boxen und /oder Einzelhaft ohne täglichen Auslauf, schlechte Hufpflege und Hufbearbeitung und der dadurch resultierenden Überbelastung der Gliedmaßen.


Früh angerittene Pferde haben eher Probleme mit ihren Gliedmaßen. Besonders gute und talentierte Pferde die sich den Reitern anbieten, werden schnell zu sehr gefordert und dadurch körperlich geschädigt. 


All dies sind Faktoren, die nicht zum Erhalt eines Pferdelebens führen. Insbesondere Quarter Horses werden oft mit 1,5 -2 Jahren angeritten, die dann 3 jährig auf Futuritys (Turnier für 3 jährige Pferde mit hohen Gewinnsummen) in der Reining gestartet werden. Das möchten wir uns nicht zum Vorbild machen


Wir achten darauf Pferde nicht zu früh anzureiten. Wichtig ist, das die Ephiphysenfugen vor dem Anreiten geschlossen sind. Diese schließen sich in der Regel zwischen dem 18.ten und 43.ten Lebensmonat des Pferdes mit Ausnahme der des Beckens, die erst mit etwa 5 Jahren verknöchern.


Wichtig sind auch gut entwickelte Gelenke. Die Organe des Pferdes sind erst mit ca. 5 Jahren voll entwickelt und somit voll funktionsfähig, all dies sollte bei einer reiterlichen Belastung berücksichtigt werden. Außer der körperlichen Reife sollte das Pferd auch die mentale Reife besitzen, um angeritten zu werden. Absolutes Vertrauen seitens des Pferdes an seinen Bereiter ist Grundvoraussetzung bevor man den Youngster startet. Dieses gewinnt der Bereiter durch gezieltes Horsemanship Training, dass in den vorausgegangenen Jahren des Pferdes am Boden erarbeitet wurde. Wir, die Leute von der Absarokee Horse Farm reiten (belasten) unsere Pferde nicht vor dem 5. Lebensjahr an.


Es wird oft die Meinung vertreten, wenn ein Pferd erst mit 5 oder 6 Jahren angeritten wird, sei es körperlich und mental zu stark. Diese Meinung vertreten wir nicht. Denn ist ein Pferd von Anfang an konsequent und pferdegerecht erzogen worden, wird es beim Anreiten seinen Bereiter nicht in Frage stellen !


           

Auch im höheren Alter eines Pferdes, kann der gemeinsamme Ausritt Spaß machen

                                                                                                     

Die Betreiber der Absarokee Horse Farm würden es sehr begrüßen, wenn zukünftig im Pferdesport mehr Horsemanship (Fairness) zu sehen wäre !


Nachfolgend erkläre ich das Anreiten eines Pferdes in Wort und Bild. Das Pferd ist bei Aufnahme der Bilder 7 Jahre alt und geht seit 50 Tagen unter dem Sattel. Es befindet sich seit seinem 2. Lebensjahr auf der Absarokee Horse Farm. Das Pferd wird auf den Bildern ausnahmsweise mit einem Knotenhalfter und einem Leitseil geritten.


Ich möchte an dieser Stelle noch darauf aufmerksam machen, dass das Anreiten eines Pferdes immer von einem erfahrenen Horseman vorgenommen werden sollte, da gerade Fehler beim Anreiten eines Pferdes negative Verhaltensmuster beim Pferd hervorrufen können und diese ein Pferd ein Leben lang begleiten können.


Das Anreiten eines Pferdes

Ich habe mein Pferd schon gut mit Arbeiten aus der Horsemanship am Boden vorbereitet. Es ist dadurch in der Muskulatur etwas gekräftigt. Es versetzt die Vor- und Rückhand. Die Lenkung des Pferdes wurde in der Horsemanshiparbeit am Boden erstmalig dem Pferd vorgestellt und wird mit dem Fahren am Boden fortgesetzt (sollte das Pferd am Anfang unter dem Sattel in der Lenkung nach links und rechts noch Probleme zeigen, ist es sinnvoll einen Schritt zurückzugehen und an dem Kopfgeben vom Boden aus nach links und nach rechts so lange zu arbeiten, bis das Pferd denselben willig auf leichtesten Druck hin zu jeder Seite gibt). Es geht flüssig an der Hand rückwärts.


             Horsemanshiparbeit mit dem Stick                                    Gegenseitiges Vertrauen


                           Seitwärts                                                           Verschieben der Hinterhand

 

               Druck durch das Rope                                    Erstes Kopf geben nach rechts


Es geht die ersten Seitengänge am Boden ect. und arbeitet konzentriert mit. Es ist auf mich fixiert und vertraut mir. Ich kann es frei im Round Pen arbeiten bis es mir folgt. Die Dominanzfrage ist geklärt. Ich berühre es am ganzen Körper und sacke es mit einer alten Pferdedecke aus. Das Pferd halte ich am Knotenhalfter mit Arbeitsseil. Ist das Pferd zu unruhig und verweigert vehement die Berührung des Aussackens, kehre ich zurück zur Bodenarbeit, der Berührung des ganzen Pferdekörpers und verschaffe ihm somit mehr Vertrauen in mich.


                                Druck nachgeben erlernen an den Vorder- sowie Hinterbeinen


Das Pferd setzt jetzt mehr Vertrauen in mich und lässt sich problemlos mit einer Pferdedecke oder ähnlichen aussacken, so das ich es am losen Führstrick in der Mitte des Round Pen satteln kann. Jetzt löse ich den Führstrick vom Halfter ab und mein Pferd bewegt sich das erste mal mit einem Sattel auf dem Rücken vorwärts. Ich lasse das Pferd so laufen, wie es möchte. Ich treibe es nicht wild um mich herum. Einige Pferde buckeln, andere nicht. Ich binde später noch einen Stock, oder eine steifere Gerte an das Sattelhorn mit einer Fahne am anderen Ende, um das Pferd mit einer Bewegung über seinem Kopf vertraut zu machen. Und wie schon gesagt, einige Pferde buckeln, andere nicht.


Das Pferd geht ruhig unter dem Sattel und ich kann es jetzt vom Boden aus im Side Pull fahren (was es ja bereits von der vorausgegangenen Bodenarbeit kennt). Ich lenke es nach links und nach rechts, um Pylonen herum, halte es an und richte es rückwärts usw.. Alles klappt gut. Es kennt die Kommandos zum Antreten schon aus der vorbereiteten Horsemanship Arbeit am Boden.


                        Satteln                                                                        Erstes Aufsteigen


Ich setzte mich zum ersten mal auf das Pferd. Gibt es Probleme beim Aufsteigen und das Pferd wird unruhig, gehe ich einen Schritt zurück, arbeite vom Boden aus weiter, so lange bis es ruhig bleibt, wenn ich weitere Aufsteigversuche vornehme. Das Pferd wird uns zeigen wenn es bereit ist, dass man das erste mal aufsitzen kann. "Es dauert so lange, wie es dauert" (Zitat: Tom Dorrance).


                     Vertrauensvolles Pferd                            Berührung an der Hinterhand durch das Rope

                             Schenkelweichen                                                                     Hinterhand verschieben

 

Ich lasse mir vom Sattel aus seinen Kopf nach links und nach rechts geben und reite dann das Pferd nach rechts oder links an (sollte es buckeln wollen, erschwere ich ihm dies dadurch, das ich ihn z. B. nach rechts anreite und davor seinen Kopf deutlich nach rechts nehme). Sollte das Pferd nach vorne nicht antreten wollen, hole ich mir ggf. Hilfe durch eine zweite Person, die das Pferd wie in der vorausgegangenen Horsemanshiparbeit am Boden, nach vorne antreten lässt.


Ich belaste das Pferd nicht länger als maximal 5 Minuten. Jetzt reite ich es 3-4 oder 5 mal die Woche im Round Pen. Erst die Bodenarbeit, dann aufsitzen, Kopf geben lassen, Anreiten, Anhalten mit direktem Rückwärts treten. Links und rechts herum. Schritt,Trab und Galopp. Nach 5 Minuten absteigen.


Dies mache ich einige Zeit bis mehr Routine in die Sache gekommen ist. Und ganz wichtig, immer Slack in die Reins geben. Keine Hilfzügel verwenden. Das Pferd über Auge - Schenkel - Zügel lenken. Ich reite das Pferd über meine Gewichts-, Schenkel- und Körperhilfen. Das Pferd hat im Round Pen Routine. Mein Hauptaugenmerk richte ich auf die Arbeit an der lateralen Biegung. Das Pferd muss lernen den Kopf zu geben, den Hals etwas zu biegen,  das innere Vorderbein anzuheben und der Bewegungsrichtung zu folgen. Ich will, dass das Pferd sich biegt und dabei nachgibt. Dies baue ich in meine tägliche Arbeit mit dem Pferd ein. Ist dies erfolgt, ist es an der Zeit auf den Reitplatz zu wechseln.


                  Arbeit mit dem Rope                                         Aus dem Anhalten rückwärtsrichten




Alles ist für mein Pferd neu. Es schaut nach links und nach rechts ist unkonzentriert, egal ich reite weiter. Ich reite gerade Linien, ein paar Zirkel im Schritt, dann Trab, Anhalten mit direktem Rückwärts treten (damit das Pferd Anhalten mit Rückwärts treten verbindet und seine Hinterhand besser untersetzt). Aber ich lasse die laterale Biegung nie außer Acht. Ich arbeite immer an der lateralen Biegung und Nachgiebigkeit.


Das Untersetzen seiner Hinterhand wird ihm am Anfang schwer fallen, denn alle Bänder und Sehnen müssen sich erst dehnen. Es ist kaum Muskulatur vorhanden. Das könnte Muskelkater geben, wenn man es übertreibt. Sei dir dessen bewußt. Darum vermeide ich diese Situation, denn ein Pferd das Schmerzen durch das Training erhält, wird nicht gerne arbeiten. Logisch, oder! Deshalb ist es nicht schlimm, wenn nicht gleich alles wie gewünscht klappt, oder? Ich liebe mein Pferd und möchte das es gesund bleibt und wir eine lange Zeit in Harmonie miteinander verbringen.


Denn es dauert eben so lange wie es dauert !


                            Galopp                                               Laterale Biegung des Pferdekopfes mit verschieben der Hinterhand

 

Alles läuft gut. Ich bleibe nicht zu lange auf dem Reitplatz. Langsam kann ich mein Pferd etwas länger belasten. Los, jetzt raus ins Gelände. Sollte mein Pferd zu unsicher alleine im Gelände sein, schaue ich am Anfang, dass ein ruhiges Pferd dabei ist. Ich reite mein Pferd so viel wie möglich im Gelände, damit es viel sieht und Freude bei der Sache behält, vergesse aber die Basic auf dem Reitplatz nie.

Um einen ruhigen Galopp bei meinem Pferd zu erzielen, erarbeite ich mit im erste Seitengänge (dies kann durchaus im Gelände erfolgen). Wenn dies gut gelingt, reite ich jetzt mehr Galopp auf weiten geraden Strecken am losen Zügel. Ich achte etwas später darauf, es im Wechsel links und rechts anzugaloppieren. Das gibt dem Pferd auf Dauer Kraft und es balanciert sich aus. Ich steige zwischen durch für 10 - 15 Minuten vom Pferd und führe es, damit seine (und auch meine) Muskulatur entspannen kann. Ich werde die Muskulatur und Ausdauer langsam, aber kontinuierlich aufbauen (Muskeln sind nach 9 Monaten, Knochen nach 1 Jahr, Sehnen und Bänder nach 2 Jahren kontinuierlichem Training aufgebaut).


Erst dann, nach ca. 2 Jahren kontinuierlichem Muskel-, Sehnen-, Bänder- und Konditionaufbau kann das Pferd mehr Belastung (er -) tragen und es kann mit weiterführenden Lektionen unter dem Sattel, unter anderem auf dem Reitplatz begonnen werden. Und zum guten Schluß: Bei der Arbeit mit dem Pferd fühle mit deinem Herz.


Es ist nicht wichtig das Du und dein Pferd einen 3 Meter Sliding Stopp hinlegst, oder dein Pferd dreht

(Spinn) wie ein Brummkreisel ect., sondern das Du und dein Freund Pferd eine lange, gesunde, vertrauensvolle und gute Zeit miteinander in Harmonie verbringt.


                                         

Maik, Angelika und Lilly


Gerne kannst Du mit mir zusammen dein Pferd auf der Absarokee Horse Farm anreiten (siehe "Starte Du dein Pferd"). Solltest Du noch etwas unsicher im Umgang mit deinem Pferd beim Anreiten sein, unterstütze ich Dich und zeige dir wie man einen Youngster startet. Mehr Info darüber findest du auf unserer Homepage unter "Starte du dein Pferd".


Good Horsemanship, oder gegenseitiges Vertrauen !

 

Abschließend Gedanken zur Arbeit mit dem Pferd


Vertraue deinem Pferd, dann vertraut es dir auch. Gehe stets beharrlich und rücksichtsvoll mit ihm um. Überlaste es nicht körperlich und überfordere es nicht mental. "Es dauert so lange wie es dauert" Tom Dorrance.


Liebe dein Pferd und die Arbeit mit ihm, dann wird es dich auch lieben und behandle ihn mit Respekt, so wie auch Du von ihm mit Respekt behandelt werden willst. Benutze ihn nicht für deinen Ego, sondern sehe ihn als deinen Freund, der Dinge für dich macht, weil er dich respektiert und du das Richtige für ihn tust.


Halte sein Maul weich. Höre ihm zu und geb dir Mühe ihn zu verstehen. Reite mit ihm so wie es für Dich und ihm am gesündesten ist. Wenn Du kannst, fördere seine Talente, aber zwinge ihn nicht über diese hinaus, sondern bleibe mit ihm in Harmonie.


Achte auf ihn und laß Dich von ihm belehren. Breche nie sein Vertrauen das er in Dich setzt. Ist sein Vertrauen durch Dich gebrochen ist der weitere Umgang für Dich mit ihm zwecklos. Denn gebrochenes Vertrauen wieder herzustellen ist irreparabel oder langwierig.


Lass ihm genug Zeit um das von Dir verlangte zu verstehen und schütze ihn vor deinem Groll, weil Du mal wieder etwas falsch gemacht hast und er dich nicht verstehen konnte. Steige zwischendurch immer mal wieder ab, damit seine und auch deine Muskulatur, Bänder und Sehnen entspannen können.


Bringe ihn nicht außer Atem, gönne ihm deshalb nach einer größeren Anstrengung eine Pause, damit er sich innerlich mit Luft versorgen kann und sich nicht schädigt.


Und schön wäre es, nachdem er alles für Dich getan hat und seine Gesundheit für Dich auf`s Spiel gesetzt hat, wenn er bis zu seinem Ende bei Dir verbringen kann.


Deshalb paß gut auf! Überdenke jede Handlung die Du ihm gegenüber tust und nimm Dir die Zeit, den Mut und die Kraft und erlerne den richtigen Umgang mit ihm!


 

Modern Buckaroo Horsemanship


Angelika Agrikola



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