Über die Hackamore

Die klassische Hackamore (bitte nicht mit der mechanischen Hackamore verwechseln), die eine gebißlose Zäumung darstellt, wurde von den Arabern nach Spanien gebracht. Die Spanier entwickelten dieses herrliche Ausbildungsinstrument weiter und brachten sie in die neue Welt (U.S.A.), wo sie von den indianischen Vaqueros übernommen wurde. Der damalige Name der Hackamore war Jaquima (was so viel bedeutet wie Halfter oder Zäumung) und daraus wurde durch den Einfluß der englischen Sprache die Hackamore. Dieses klassische Ausbildungsinstrument erfordert viel Erfahrung und Geduld in der Anwendung seitens des Ausbilders, ebenso benötigt man viel Zeit in der Ausbildung des Pferdes zum Bridlehorse. Die reine Ausbildung eines Hackamorepferdes dauert in etwa 3-4 Jahre, danach wird das Pferd nach alt- californischer Tradition auf das Spade Bit umgestellt. Das Pferd wird nun über das 3/8 Bosal (Bosalito) langsam an das Spade Bit im Laufe der Jahre umgewöhnt (Wichtig zu Wissen: Ein Spade Bit gehört nur in das Maul eines fertig ausgebildeten Pferdes und darüber hinaus nur in die Hand eines sehr, sehr erfahrenen Reiter mit >samtweichen Händen<).


Links eine klassische 5/8 Hackamore mit 5/8 Mecate und rechts ein Santa Barbara Spoon Spade Bit

(mit einer der Löffelarten) und einem 3/8 Bosal


Die gesammte Ausbildungsdauer eines Bridlehorses, angefangen in der Hackamore, kann bis zu 7 Jahre betragen, wobei die alten Vaqueros ihre Pferde erst mit ca. 5 Jahren reiterlich gestartet haben.


In den Bildern 1-6 sind die verschiedenen Phasen der Hackamore- Zäumung bis hin zum Spade Bit zu sehen. Das erste Bild zeigt eine dicke Hackamore mit Fiador (Stirn-und Halsriemen), das zweite eine dünnere Hackamore, das dritte Bosal und Kandarre, wobei am Kandarrenzügel noch nicht gearbeitet wird. Auf dem vierten Bild arbeitet der Reiter mit Bosal- und Kandarrenzügel, auf dem fünften vornehmlich und auf dem sechsten ausschließlich mit Kandarre. Die gesammte Ausbildung kann bis zu 7 Jahre betragen.

 

Das Pferdetraining in der Hackamore erfordert viel Wissen um die Grundprinzipien beim Zureiten eines Ranchpferdes und deren Anwendung beim Reiten in der Hackamore. Die Kunst der Ausbildungsart eines Ranchpferdes auf Hackamore gezäumt, liegt in der Anwendungstechnik, der Handhabung der Zügelführung. Das ganze Geheimniss basiert auf zwei Grundelementen, auf dem losen Zügel und auf dem Doubling (Pulling).

Die Hackamore- Arbeit wird ausschließlich vom losen Zügel her aufgebaut. Nur auf diese Weise erkennt das Pferd nicht, wie stark oder schwach sein Reiter in der Kunst der Zügelhandhabung ist. Das Doubling (Pulling) ist, sehr einfach erklärt, ein reaktionsschneller, scharfer und kurzer, nach seitwärts und rückwärts ausgeführter Anschlag auf nur einem Zügel, während das Pferd im Schritt, Trab oder Galopp geht und dabei schneller läuft als aufgefordert. Bei einem richtig ausgeführtem Doubling (Pulling) folgt das Pferd der Bewegung seines Kopfes und steht danach in der entgegen gesetzten Richtung. Das Doubling (Pulling) muß für das Pferd immer überraschend ausgeführt werden, außerdem darf kein lang anhaltendes Zerren an der Mecate (Zügel) erfolgen, genau wie zu häufiges Wiederholen zu vermeiden ist.


Hackamore Reins(wo)man


Durch das Anspannen eines Zügel zieht sich die Hackamore zusammen. Damit wird nicht nur ein Druck auf die Nase, sondern ein weitaus wichtiger Druckanteil seitlich auf die Pferdebacken ausgeübt. Deshalb ist es wichtig, das die Hackamore flexibel und ohne verhärtende Stahlseele versehen ist und andererseits sich bleibend verformen lässt und eine Auflagefläche von ca. 3-8 cm an der Pferdebacke zulässt. Bei der Arbeit mit der Hackamore, darf man nie so weit gehen, das sich das Pferd durch das Nosebutton an der Pferdenase, oder den Branches an den Backen wundscheuern könnte. Ist das Pferd durch eine falsche Handhabung erst einmal wundgescheuert und die Hackamore berührt die wunde Stelle, wird das Pferd immer steifer und nicht weicher werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, das der Reiter frühzeitig erkennt, keinen permanenten Zügeldruck auf das Pferd auszuüben wie z.B. mit einem Snaffle Bit und zu warten bis das Pferd dem Zügeldruck nachgibt. Denn dies würde dazu führen, das die Blutzirkulation an der Pferdenase unterbrochen wird, diese taub wird und das Pferd somit immer unsensibler auf die Hackamore reagiert. Nur durch kurzes Annehmen- Loslassen-Annehmen-Loslassen des waagerecht geführten Zügel (der nicht durch das Handgelenk-, sondern durch den Ellbogen geführt wird), von der Hackamore (Pferdenase) zur Reiterhand, waagerecht nach seitwärts-rückwärts geführt, lernt das Pferd in der Hackamore dem Zügeldruck lateral nachzugeben. Erfolgt die erwünschte Reaktion, ist das Pferd mit sofortigem loslassen des Zügel zu belohnen.


Eine Hackamore oder ein Bosal ist meist aus einer gepflochtenen Rohaut hergestellt. Um so feiner gepflochten, um so wertvoller die Hackamore. Es gibt aber auch aus Latigo Leder und Pferdehaar hergestellte Hackamores (wobei letztere mehr in den U.S.A und auch da eher seltener Verwendung findet). Jede Hackamore muß individuell an den Pferdekopf angepasst werden. Die Nasenstücke werden in unterschiedlicher Dicke hergestellt, und wie bereits schon erwähnt, muß immer auf eine Rohautseele (innenleben einer Hackamore) geachtet werden. Es gibt unterschiedlich dicke Hackamore und Bosals, diese betragen 1/8 bis 3/4 Zoll (1 Zoll= 1 Inch= 2,54 cm).
Das Nasenstück das 1/2 Zoll oder dicker ist, nennt man die Hackamore und nur die dünneren Exemplare heißen Bosal (Bosalito). (Andere Horseman sagen das mit "Hackamore" das ganze zusammengebaute Equipment wie Bosal, Hänger und Mecate gemeint sind).


Von links nach rechts: 1/8 Pencil Bosal (findet Verwendung bei mit Gebiß gerittenen Pferden als Tie-Down, oder als Sperrhalfter gegen Maulaufreißen der Pferde bei zu harten Gebissen), Rope Bosal mit Fiador, 3/8 Bosal, 1/2 Hackamore mit Mecate, und zwei 5/8 Hackamore, eine mit Mecate


In der Anfangsphase arbeitet man ein Ranchpferd in einer dicken Hackamore und stellt dann im Laufe der Zeit das Pferd auf immer dünnere Hackamores um, bis man schließlich mit dem 3/8 Bosal (Bosalito) in der Spade Bit arbeitet (einige Horsemen starten ihr Pferd mit einem Knotenhalfter mit Nylonmecate, oder mit einem Rope Bosal mit Fiador, wobei letzteres die ganz harte Version wäre, aber nicht die Traditionelle. Mit einen Knotenhalfter, vor allen Dingen mit einem Rope Bosal sollte, wenn überhaupt, nur ausnahmsweise vom Sattel aus gearbeitet werden, denn es verdirbt die Nasensensibilität).


Mecaten aus Mähnen- und/oder Schweifhaaren in verschiedenen Seilstärken. Die Mecaten sind der Hackamoregröße immer anzupassen.

 

Die Mecate ist ein aus Pferdehaar geflochtenes langes, meist 8- 20 Millimeter dickes Seil das aus

Mähnen - oder Schweifhaar, oder aus beidem geflochten wird. Teilweise gibt es auch Pferdehaar- Hanfmecaten die aber mehr in den U.S.A Verwendung finden (auch werden Mecaten aus Nylon hergestellt. Diese sind sehr gut und auch super haltbar, aber Aufgrund ihres toten Material für die traditionelle Hackamore- Arbeit eher ungeeignet. Ihnen fehlt die Stacheligkeit, um einem Pferd das Neck Reining beizubringen. Nylonmecaten sollten eher beim Reiten im Snaffle Bit mit Slobber Bars Verwendung finden). Auch gibt es brauchbare Mecaten aus Mohair.



Snaffle Bit mit Slobber Bars und Nylonmecate


Das Seil (Mecate) wird am Ende der Hackamore am Knoten festgeknüpft und bildet somit eine Zügelschlaufe mit einem Führseil.


Das Knüpfen der Mecate an die Hackamore

 

Durch das stachelige, rauhe Pferdehaar weicht das Pferd bei der Berührung des Zügel am Pferdehals aus und lernt somit im Laufe der Zeit das Neck Reining, der typvollen Zügelführung beim Westernreiten. Dieses Seil nennt man Mecate, oder auch Hair Rope.


Es ist möglich, das einige lange Haare bei zu straffer Knüpfung, aus der Mecate herauskommen und dadurch das Pferd am Unterkiefer berühren und kitzeln. Hierdurch könnte ein Kopfwerfen entstehen, oder eine zunehmende Nervosität des Pferdes auftreten. Um dem vorzubeugen, sollte man die Haare der Mecate mit einer Schere so entfernen, das eine Berührung der Mecatenhaare am Unterkiefer des Pferdekopfes nicht stattfinden kann (siehe Pfeil).


Es gibt verschiedene Methoden die Mecate an die Hackamore anzuknüpfen. Wobei die Mecate an der Hackamore immer am Pferdekopf angebracht werden sollte, um eine genaue Passform zu erhalten. Die Hackamore darf durch die Mecate nicht zu eng am Pferdekopf angebracht werden, dadurch würde die Technik im Umgang mit der Hackamore beim Reiten eingeschränkt werden. Justiert wird die Zügelschlaufe so, dass sie in etwa 15cm hinter dem Widerrist liegt und dabei leicht durchhängt.


Noch ein Beispiel zum Knüpfen der Mecate an die Hackamore


Um eine Hackamore am Pferdekopf einzusetzen, muß die Hackamore vorgeformt werden, damit Verletzungen am Pferdekopf vermieden werden.


Hier wird neben der Elastizität der Hackamore deutlich, wie anpassungsfähig die Hackamore mit einer Rohhautseele an die Kurven des Pferdekopfes ist (mit einer bleibenden Verformung). Dies ist ein wichtiger Vorgang. Eine mit einer Stahlseele oder ähnlich untauglicher Seele (innenleben der Hackamore) versehene Hackamore hat diese Eigenschaft der Anpassungsfähigkeit nicht.


Mit einem Stück rundem Holz könnt ihr die Hackamore oder das Bosal vorformen. Das Holz kann etwa 10 cm im Durchmesser sein. Siehe nachfolgendes linkes Bild. Ab dem Knoten (Heel Knot) der Hackamore, je nachdem wie groß der Kopf des Pferdes ist, bindet ihr ca. 8 cm der unteren Hackamore fest mit einem dünnen Seil zusammen und fixiert das Seil immer wieder am Holz. Oberhalb der Hackamore werden beide Seiten mit einem dünnes Seilchen, oder ähnlichem (auf dem linken Foto ist es ein rotes Band) fixiert. Vorher solltet ihr die Hackamore mit Sattelseife befeuchten und bis zu einem halben Jahr oder auch länger eingespannt lassen. Dieses muß immer wiederholt werden.


             

Das Formen der Hackamore um ein Stück Holz       30 Jahre alte Hackamore nach dem Formen  

 

Auf dem Foto oben rechts sieht man eine alte Hackamore mit einer vorzüglichen Rohhautseele. Sehr wichtig ist auch die richtige Aufbewahrung der Hackamore und der Mecate. Die Mecate sollte immer, wie auf dem Bild unten links aufgeführt, so über die Hackmore gehängt werden, damit sie sich nicht in sich verdrehen kann.


           

Korrektes Aufhängen der Hackamore mit Mecate               Teibezeichnung der Hackamore


Abschließend noch eine Teilbeschreibung der Hackamore (siehe Foto oben rechts). Die 1. nennt man Nosebutton, 2. sind die Branches, Cheecks (oder Sidebutton), 3. ist der Heel Knot.


Konvexe Biegung nach unten (Drop)


Und zum guten Schluß braucht die Hackamore und das Bosal eine konvexe Biegung nach unten, die man den Drop nennt, (siehe Pfeile auf obigen Foto), um gut am Pferdkopf anzuliegen und dadurch eine optimale Handhabung der Hackamore zu erzielen.


Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn wir euch einen kleinen Einblick über die hier grob aufgeführte Erklärung der Hackamore gewähren konnten, während die Technik im Umgang mit der Hackamore ein sehr komplexes Thema ist und dem Reiter viel Geduld und reiterliches Können abfordert.

Solltet ihr neugierig auf die Ausbildung eines Pferdes in der Hackamore geworden sein, bieten wir Einsteiger- und Fortgeschrittenekurse im "Reiten in der Hackamore" an (siehe Westernreitkurse). Desweiteren können wir euch, um die Technik im Umgang mit der Hackamore besser zu verstehen, die deutsche Ausgabe des Buches von Ed Cornell empfehlen, mit dem Titel "Hackamore Reinsmann" vom  Kierdorf Verlag.


So long..............


 

Modern Buckaroo Horsemanship


Angelika Agrikola





nach oben